In der Gemeindevertretung vom 07.05.2026 wurde ein Thema angesprochen, das viele Mieterinnen und Mieter der Wohnungsverwaltung Binz GmbH unmittelbar betreffen kann: anstehende Mieterhöhungen im kommunalen Wohnungsbestand.
Aus Sicht von „aus der MITTE“ ist dieses Thema besonders sensibel, weil es nicht nur um Zahlen, Quadratmeterpreise und betriebswirtschaftliche Kalkulationen geht. Es geht um Menschen, um langjährige Mietverhältnisse, um Rentnerinnen und Rentner, um Haushalte mit kleinerem Einkommen und um die Frage, wie bezahlbares Wohnen in unserer Gemeinde langfristig gesichert werden kann.
Warum wurde das Thema in der Gemeindevertretung angesprochen?
Auffällig war: Im Bericht des Bürgermeisters wurden die anstehenden Mieterhöhungen zunächst nicht erwähnt, obwohl diese nach unserem bisherigen Kenntnisstand zu diesem Zeitpunkt bereits bestätigt waren.
Genau deshalb fragte Frau Drahota von „aus der MITTE“ in der Gemeindevertretung nach, ob dieses Thema nicht bereits im Bericht des Bürgermeisters hätte erwähnt werden müssen. Gerade bei kommunalem Wohnraum halten wir eine frühzeitige, offene und nachvollziehbare Information für notwendig.
Wer soll von den Mieterhöhungen betroffen sein?
Nach unserem bisherigen Kenntnisstand sollen vor allem Mietverhältnisse mit einer Kaltmiete unter 6,00 Euro pro Quadratmeter betroffen sein.
Insgesamt geht es dabei um rund 344 Mietverträge. Bereits im Mai erhalten die ersten rund 100 Mietverhältnisse eine Kaltmietenerhöhung um 10 Prozent.
Damit handelt es sich nicht um eine kleine Randnotiz, sondern um ein Thema, das viele Menschen in unserer Gemeinde betreffen kann.
Wie werden die Mieterhöhungen begründet?
Als Begründung werden unter anderem steigende Kosten, notwendige Investitionen, Instandhaltung und Modernisierung des Wohnungsbestandes genannt.
Diese Argumentation ist grundsätzlich nachvollziehbar. Wer Wohnungen erhalten, sanieren und langfristig in einem guten Zustand sichern möchte, muss auch darüber sprechen, wie diese Maßnahmen finanziert werden sollen.
Auch Bürgermeister Mario Kurowski machte in der Sitzung deutlich, dass man um Mieterhöhungen wohl nicht herumkommen werde, wenn weiter investiert werden soll. Er verwies darauf, dass sanierte Wohnungen bereits deutlich höhere Quadratmeterpreise erreichen und Neubauten noch einmal darüber liegen. Das ist aus Sicht des Bürgermeisters eine klare Position.
Warum das Thema trotzdem sensibel bleibt
Aus unserer Sicht reicht es jedoch nicht aus, nur zu fragen, ob eine Mieterhöhung rechtlich möglich ist. Die wichtigere Frage lautet: Ist sie fair, transparent und sozialverträglich?
Denn niedrige Mieten entstehen nicht einfach zufällig. Viele Mietverhältnisse bestehen seit Jahrzehnten. Betroffen sein können Rentnerinnen und Rentner, Menschen mit kleinerem Einkommen oder Mieterinnen und Mieter, die ihre Wohnung damals in einem schlechten oder einfachen Zustand übernommen haben.
Nicht wenige haben selbst renoviert, verbessert und über Jahre hinweg eigenes Geld in ihre Wohnung investiert. Genau diese Lebenswirklichkeit muss aus unserer Sicht berücksichtigt werden.
Unterschiedliche Mieten haben oft auch mit unterschiedlicher Wohnqualität zu tun
Nicht jede Wohnung ist saniert, modernisiert oder energetisch auf einem guten Stand. Manche Wohnungen haben ältere Bäder, alte Leitungen, schlechtere Dämmung und dadurch auch höhere Heizkosten. Genau diese Wohnungen verursachen für Mieterinnen und Mieter oft zusätzlich höhere Neben- und Betriebskosten.
Deshalb stellt sich die berechtigte Frage: Warum sollen Mieterinnen und Mieter für schlechtere Wohnqualität künftig mehr bezahlen, insbesondere dann, wenn genau diese Wohnungen bereits höhere laufende Kosten verursachen?
Erst investieren – dann erhöhen?
Ein weiterer Punkt ist aus unserer Sicht besonders wichtig: Die Wohnungsverwaltung Binz GmbH erwirtschaftet aktuell einen jährlichen hohen Überschuss.
Deshalb muss die Frage erlaubt sein, ob eine Mieterhöhung in dieser Form wirklich notwendig ist oder ob es nicht fairer gewesen wäre, zunächst sichtbar in die betroffenen Wohnungen zu investieren und anschließend über mögliche Anpassungen zu sprechen.
Gerade bei Wohnungen mit schlechterem Zustand wäre es nachvollziehbarer, erst konkrete Verbesserungen umzusetzen, bevor die Miete erhöht wird.
Gleichbehandlung der Mieterinnen und Mieter
Auch die Frage der Gleichbehandlung stellt sich.
Wenn nur bestimmte Mietverhältnisse mit niedriger Kaltmiete herausgegriffen werden, obwohl unterschiedliche Miethöhen teilweise auch unterschiedliche Wohnqualitäten widerspiegeln, entsteht Erklärungsbedarf.
Eine mögliche Alternative hätte aus unserer Sicht sein können, über eine gleichmäßigere und moderate Anpassung aller Mietwohnungen nachzudenken, zum Beispiel um 5 Prozent. Das hätte zumindest die Frage der Gleichbehandlung anders beantwortet.
Ob dieser Weg rechtlich, wirtschaftlich und sozial sinnvoller gewesen wäre, müsste natürlich geprüft werden. Aber genau solche Alternativen gehören aus unserer Sicht transparent auf den Tisch.
Diese Fragen bleiben offen
Aus Sicht von „aus der MITTE“ müssen jetzt klare Antworten gegeben werden:
- Welche Wohnungen werden zuerst betroffen sein?
- Wie wird der tatsächliche Zustand der jeweiligen Wohnung berücksichtigt?
- Werden Eigenleistungen der Mieterinnen und Mieter beachtet?
- Wie werden ältere Menschen und Haushalte mit geringem Einkommen geschützt?
- Wofür werden die Mehreinnahmen konkret eingesetzt?
- Kommt das zusätzliche Geld tatsächlich bei den betroffenen Wohnungen an?
- Ist eine Mieterhöhung trotz jährlichem Überschuss wirklich notwendig?
- Wäre es fairer gewesen, zunächst sichtbar zu investieren und danach über Erhöhungen zu sprechen?
- Wäre eine gleichmäßigere, moderate Anpassung aller Mietwohnungen gerechter gewesen als die gezielte Erhöhung einzelner Mietverhältnisse?
Kommunales Wohnen ist mehr als eine betriebswirtschaftliche Rechnung
Wir von „aus der MITTE“ sagen klar: Investitionen sind wichtig. Niemand bestreitet, dass Wohnungsbestände erhalten, modernisiert und saniert werden müssen.
Aber kommunales Wohnen ist mehr als eine betriebswirtschaftliche Rechnung. Die Wohnungsverwaltung Binz GmbH trägt eine besondere Verantwortung: Es geht um bezahlbaren Wohnraum, soziale Sicherheit und Menschen, die oft seit vielen Jahren in ihren Wohnungen leben.
Gerade deshalb braucht es bei Mieterhöhungen im kommunalen Bestand ein besonders sensibles Vorgehen.
Unser Fazit
Mieterhöhungen dürfen nicht pauschal verteufelt werden. Aber sie dürfen auch nicht einfach mit steigenden Kosten begründet und durchgesetzt werden, ohne die konkrete Situation der betroffenen Mieterinnen und Mieter genau zu betrachten.
Wenn Wohnungen modern, saniert und energetisch gut aufgestellt sind, ist eine andere Miete leichter nachvollziehbar. Wenn Wohnungen jedoch schlechter saniert sind, höhere Nebenkosten verursachen oder über Jahre durch die Mieterinnen und Mieter selbst verbessert wurden, muss dies berücksichtigt werden.
Für uns steht fest: Es braucht Transparenz, soziale Verantwortung und klare Antworten. Denn am Ende geht es nicht nur um Quadratmeterpreise, sondern um Menschen, Sicherheit und bezahlbaren Wohnraum in unserer Gemeinde.
Wir von „aus der MITTE“ bleiben an diesem Thema dran.
